Vom Sinn der “Bibliographie zur Geschichte des Laufentals”

Anmerkungen zur Forschungssituation

Als die Forschungsstelle Baselbieter Geschichte 1988 ihre Arbeit begann, schien ihr Auftrag klar – zumindest, was die geographischen Grenzen des zukünngen Werks über die Kantonsgeschichte betraf. Nach den Laufental-Abstimmungen 1989-1991 stellte aber der Kantonswechsel des Bezirks Laufen zum Kanton Basel-Landschaft die Forschungsstelle vor neue Herausforderungen. Eine Geschichte des Kantons zu schreiben, konnte ja nur dann Sinn machen, wenn darin alle Bezirke gleich vertreten sein würden, unabhängig vom Datum ihres Beitritts. Es käme doch auch niemand in den Sinn, etwa das Birseck erst ab 1815 zu berücksichtigen.

 

Integration

 

Entsprechend machte sich also die Forschungsstelle Baselbieter Geschichte daran, die Geschichte des heutigen Bezirks Laufen zu integrieren. Was schon sehr bald Schwierigkeiten bereitete, denn ausser einigen Chronologien existiert bis heute keine zusammenhängende historische Darstellung, welche einen Überblick geben könnte. Ebenfalls fehlt fast gänzlich die wissenschaftliche Basis: Universitäre Beiträge wie Lizentiatsarbeiten oder Dissertationen lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen. Vor allem aber besass niemand eine Übersicht über den Stand der vorhandenen Literatur zum Laufental, was ja eine Grundvoraussetzung für weiterführende historiographische Arbeit wäre. Deshalb beschloss die Forschungsstelle nach dem Ja zum Übertritt des Bezirks Laufen Ende 1993, sogleich eine Bibliographie zur Geschichte des Laufentals erstellen zu lassen.

 

Doppelter Sinn

 

Der Sinn dieses Unterfangens ist ein doppelter: Einerseits soll die Zusammenstellung des bisher Geschriebenen die diesbezügliche Forschungsarbeit erleichtern bzw. erst ermöglichen. Die Bibliographie stellt also eine unabdingbare Hilfe dar für die Arbeit der Forschungsstelle, aber auch für diejenige aller anderen interessierten Forscherlnnen. Andererseits liegt damit auch eine Bestandesaufnahme vor, die deutlich Umfang und Art der jetzt notwendigen Forschungsarbeiten aufzeigt, den enormen Nachholbedarf in Sachen Historiographie des Laufentals belegt. Denn mit dem bisher verfügbaren Wissen liesse sich nicht einmal eine vertretbare Übersichtsdarstellung zusammenbasteln, zu gross sind die Lücken und Unklarheiten. Diese “Bibliographie zur Geschichte des Laufentals” liegt jetzt vor. Zum besseren Verständnis muss dazu folgendes bemerkt werden: Anders als etwa die „Bibliographie jurassienne” ist die “Bibliographie zur Geschichte des Laufentals” eine abgeschlossene Auflistung mit kurzer Entstehungszeit. Die Erfassung von Beiträgen musste also in erster Linie über andere Bibliographien und Bibliothekskataloge geschehen; eine systematische, breit angelegte Durchforstung von Zeitungen z.B. war rein arbeitstechnisch nicht möglich. Was alles an halbprivaten Publikationen existiert, der ganze Bereich lokalhistorischer Literatur also, war wiederum nur zugänglich über bereits bestehende Sammlungen (wie etwa die Bibliothek des Laufentaler Museums).

 

Gleichzeitig wurden die Kriterien für die Aufnahme in die Bibliographie bewusst weit gefasst. Beim Durchblättern werden die BenutzerInnen auf viele kleine Beiträge von Laienhistorikerlnnen stossen, die z.T. eher heimatkundlichen Charakter besitzen. Diese wurden deshalb mitberücksichtigt, weil sie immer wieder lokalhistorisch interessante Hinweise enthalten und auch als einführende Lektüre dienen können. Umgekehrt mag die Auflistung von Beiträgen befremden, welche vom Titel her gar nicht direkt auf das Laufental Bezug nehmen. Solch allgemeine, überblicksartige Darstellungen aufzunehmen, schien dennoch sinnvoll: Ermöglicht doch die vergleichsweise reiche Literatur über die fürstbischöflichen Verhältnisse oder über den Nordjura zumindest einen Vergleich und vermittelt allgemeineres Grundwissen.

 

Bilanz

 

Was lässt sich nun als Bilanz dieser bibliographischen Arbeit aussagen über die Literatur zur Geschichte des Laufentals? Die spezifische Situation des Laufentals als einer Art Zwischenzone herrschaftlichen Einflusses widerspiegelt sich auch in der Literatur. Sowohl für die (universitären) Forschungszentren Bern und Basel wie auch für die selbstbewusste jurassische Historiographie liegt dieser Bezirk am Rande ihrer Interessensterritorien. Davon heben sich deutlich die lokalbezogenen Beiträge von meist im Laufental selbst wohnenden AutorInnen ab. Bezeichnenderweise stammen sie oft (v.a. was ältere Artikel betrifft) aus der Feder von Pfarrern und Lehrern; vielfach spielten (und spielen) dabei Zeitungen und Zeitschriften eine wichtige Rolle als Nährboden, etwa im Falle der historischen Serien in der “Nordschweiz” 1901-1916. Auf die ersten Pioniere wie Konstantin Schmidlin, Joseph Gerster-Roth und Emil Kräuliger (im 1. Drittel dieses Jahrhunderts) folgten in den 60er Jahren Paul Lachat, Léon Segginger und Leo Jermann als wichtigste Einzelfiguren. Heute liegt das Zentrum historiographischer Aktivität bei den Mitarbeiterlnnen des Laufentaler Museums und des Laufentaler Jahrbuchs.

 

Mit der Erstellung der „Bibliographie zur Geschichte des Laufentals” hat die Forschungsstelle Baselbieter Geschichte einen ersten, wichtigen Schritt getan. Sinnvollerweise gilt es nun, über die Anerkennung des bisher Geleisteten hinauszugehen und mit der eigentlichen Forschung zu beginnen.

Die „Bibliographie zur Geschichte des Laufentals” wurde von lic.phil. Daniel Hagmann im Auftrag der Forschungsstelle Baselbieter Geschichte erstellt. Berücksichtigt sind darin Beitrage mit Erscheinungsdatum zwischen 1800 und März 1994. Nebst ca. 1200 Titeln enthält die Bibliographie eine kurze Einführung und einen Überblick über die Literatursituation.

Erschienen in: Geschichte 2001. Mitteilungen der Forschungsstelle Baselbieter Geschichte Nr. 13, Juni 1994, S.1-3.